Mutprobe: Dinner im Dunkel-Restaurant unsicht-Bar

November 30, 2013 in Dies & Das

Diese Woche hatte ich ein Date. Mit meinem Mann. Nur wir zwei, ganz romantisch aber ohne die obligatorische Kerze auf dem Tisch. Wir waren nämlich unsichtbar. Ganz und gar unsichtbar. Als vor einigen Wochen mydays anfragte, ob ich Interesse an einer Kooperation hätte, kam mir sofort das Dunkel-Restaurant unsicht-Bar in den Sinn. Da wollte ich schon immer hin, nur getraut habe ich mich nicht. Ein Bekenntnis vorab: Ich halte sehr viel von hübsch angerichtetem Essen, das Auge isst ja schliesslich auch mit. Und es ist eine bekannte Tatsache, dass hübsch illustrierte Kochbücher, mit appetitanregenden Bildern, wie warme Semmeln weggehen. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Bei Kochbücher mit verlockenden Fotos werde ich schwach, so richtig schwach. Ich vergesse alles um mich herum – Zeit, Verabredungen, mein Kind – und nur mit Mühe und Not finde ich wieder in die Realität zurück. Meine visuelle Wahrnehmung ist ein Grund dafür, warum leckere aber absolut unfotogene Gerichte im Foodblog-Himmel verschwinden. Da kann man noch solange die einzelnen Elemente auf dem Teller hin und her schieben und die Perspektive wechseln – es wird einfach nichts. Ich wollte mir die Erfahrung, wie gut meine Sinne ohne optische Anreize funktionieren, nicht entgehen lassen. Die Buchung über mydays ist unkompliziert: Referenz- und Gutscheinnummer eintragen, Wunschtermin aussuchen und auf eine Bestätigung warten.

Das Dunkel-Restaurant unsicht-Bar ist in der Gormannstrasse und macht von außen einen eher unscheinbaren Eindruck. Ich bin bestimmt schon einige Male vorbeilaufen, so richtig wahrgenommen habe ich es nicht. Die Fotos habe ich übrigens erst nach dem Dinner gemacht, damit a) was zu sehen ist und b) weil ich leider Tag zuvor zwar die Kamera aber nicht die Speicherkarte dabei hatte. Ich bin aber bestimmt nicht die Erste, der dies passiert ist. Das Dunkelrestaurant betrat ich mit gemischten Gefühlen. Aufregung, Unsicherheit und Angst trieben zumindest meinen Puls in die Höhe. Mein Mann gab sich natürlich cool wie immer. Der gemütlich eingerichtete Empfangsbereich hat mich für eine Weile beruhigt. Nach der Anmeldung wurde uns erst mal der ganze Ablauf erklärt und wir wählten unsere Menüs und Getränke aus. Wer denkt, er kann die geheimnisvolle Menü-Sprache entziffern, der täuscht. Zur Auswahl stehen 5 verschiedene Menüs – vegetarisch, Rind, aus Fluss und Meer, Geflügel, Überraschung. Und so sieht es aus:

Quelle: http://www.unsicht-bar-berlin.de

Wir entschieden uns für die Menüs “Überraschung” und “Rind”. Bedient wurden wir während des ganzen Abends vom eigenen Kellner. Der kam auch bald, um uns in den dunklen Teil des Restaurants mitzunehmen. Der dunkle Teil ist durch einige schwarze Wände abgetrennt und man betritt ihn, an den Schultern angefasst, gemeinsam mit dem Kellner. Spätestens an diesem Punkt erfasste mich wieder leichte Panik und mir kamen die ersten Zweifel. So verdammt dunkel habe ich es mir nämlich nicht vorgestellt. Es wurde richtig dunkelschwarz und überall hörte man Stimmen. Die ganze Situation war mir wirklich unheimlich, aber nachdem wir uns hingesetzt haben und ich etwas um mich herumgetastet habe und nichts Gefährliches entdecken konnte, wurde ich tatsächlich ruhiger. Es ist verdammt dunkel, man sieht die eigene Hand vor den Augen nicht. Die Vorspeisen kamen recht zügig und der spaßige Teil konnte beginnen. Ich fühlte mich in meine Babyzeit zurückversetzt. Alles, was ich aufspießte, wenn ich denn etwas erwischte, klatschte meistens wieder auf den Teller zurück. Gut, damit habe ich gerechnet. Dass es aber so schwierig ist, zu erkennen, was man isst, das war ein absolutes Neuland für mich. Bei jedem Gang habe ich mindestens zwei Zutaten nicht erkannt oder ich lag völlig falsch. Beispiel: Semmelknödel hielt ich für Kartoffelküchlein und Fenchel konnte ich überhaupt nicht erkennen. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten. Die Menüs werden am Ende des Dinners aufgelöst und ich war überrascht, wie unzuverlässig meine Sinneswahrnehmung ohne den optischen Reiz funktioniert. Das Essen fanden wir qualitativ sehr gut. Sicherlich ist es keine Sterneküche, aber die Zutaten waren alle frisch und die Gänge sehr gut aufeinander abgestimmt. Die Atmosphäre ist ungewohnt aber angenehm. Im Hintergrund spielte leise Musik und die Gäste ließen sich an diesem Abend sogar dazu mitreißen, ein fremdes Geburtstagsständchen mitzuträllern.

Mein Fazit: Uns hat es sehr gut gefallen und wir kommen gerne wieder. Die Buchung über mydays war unkompliziert und die Preisersparnis beim Restaurantbesuch ist nicht zu verachten.

Mein Tipp: Nicht zu spät Essen gehen. Das ganze Dinner zieht sich locker über zwei Stunden und durch die Dunkelheit, das gute Essen und den Wein, setzt relativ schnell die Müdigkeit ein. Zumindest bei uns war es so gewesen.

 Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit www.mydays.de zustande gekommen.